Draußen statt drinnen
Statt am Schreibtisch zu sitzen, funkst du unter Bäumen, auf Hügeln oder am Waldrand. Die Kaffeepause hat plötzlich eine Aussicht.
Amateurfunk trifft Naturpark. Parks on the Air verbindet Menschen weltweit – über nichts als ein Stück Draht, eine Handvoll Watt und einen guten Standort im Grünen.
Amateurfunk ist der weltweit älteste und wohl unaufgeregteste Weg, um mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen: mit Funkwellen. Kein Handynetz, kein WLAN, keine App dazwischen – nur ein kleines Gerät, eine Antenne und die Ionosphäre als Spiegel am Himmel.
Wer eine Amateurfunklizenz besitzt, darf auf eigens dafür reservierten Frequenzen senden. Von der Nachbarstadt bis nach Neuseeland – manchmal mit weniger Leistung als eine LED-Glühbirne. Es ist Technik, Physik, Diplomatie und Sport in einem.
Kurzwellenfunk klingt fast nach Magie – ist aber saubere Physik. Und die lässt sich so erklären, dass sie auch ein Kind versteht.
Stell dir vor, du wirfst einen Ball hoch in die Luft. Er kommt zurück. Radiowellen machen etwas Ähnliches – nur mit einem unsichtbaren Trampolin hoch oben am Himmel.
Dieses Trampolin heißt Ionosphäre. Die Sonne schießt tagsüber winzige Teilchen in die obere Luft und macht sie ein bisschen elektrisch. Kurzwellen dürfen sich in dieser Schicht wie in einem sanften Spiegel biegen – und landen dann weit weg wieder auf der Erde. Hunderte, manchmal tausende Kilometer vom Startpunkt entfernt.
Deshalb heißt es „Kurzwelle“: nur Wellen mit einer ganz bestimmten Länge treffen den Himmelsspiegel genau richtig. UKW-Radio und Handyfrequenzen sind zu kurz – sie fliegen einfach durch die Ionosphäre hindurch ins Weltall. Sehr lange Wellen wiederum kriechen dicht am Boden entlang. Kurzwelle ist die goldene Mitte: weit reisen mit wenig Strom.
Parks on the Air – kurz POTA – ist ein weltweites Programm, das Amateurfunk aus dem Shack ins Freie holt. Die Idee ist einfach: fahre in einen Naturpark, ein Naturschutzgebiet oder einen historischen Ort, bau deine Station auf und geh auf Sendung.
Jeder registrierte Park hat eine eindeutige Referenznummer. Wer dort funkt, ist Aktivator*in. Wer eine Aktivierung hört und antwortet, ist Jäger*in. Zehn Verbindungen genügen, damit ein Park als „aktiviert“ gilt – und alle Beteiligten sammeln Punkte, Ecken der Karte und Geschichten.
Weil es alles verbindet, was Spaß macht: rausgehen, Technik basteln, Menschen treffen – und das mit einem Hauch Abenteuer.
Statt am Schreibtisch zu sitzen, funkst du unter Bäumen, auf Hügeln oder am Waldrand. Die Kaffeepause hat plötzlich eine Aussicht.
Fünf Watt in eine Drahtantenne genügen, um über den Atlantik zu funken. Physik, die sich anfühlt wie Magie.
Ein Park in der Nähe, den du noch nie besucht hast? POTA ist der beste Vorwand, ihn endlich kennenzulernen.
Kaum bist du auf Sendung, hörst du sie: „QRZ? QRZ?“ – Jäger*innen auf der Suche nach deinem Park. Das ist Publikum ohne Bühnenangst.
Antennen aus Angelrute, Akkus aus dem 3D-Druck-Gehäuse, Rucksäcke, die zur Station werden – erfinden gehört dazu.
Parks, Länder, Auszeichnungen – POTA belohnt Ausdauer mit Zertifikaten und einer Karte, die von Aktivierung zu Aktivierung wächst.
Amateurfunk hat eine eigene Sprache – kurze Kürzel, Zahlengrüße, jahrzehntealte Q-Codes. Hier eine kleine Landkarte durch die wichtigsten Begriffe, die du auf einer POTA-Frequenz hören wirst.
Deine persönliche, weltweit einmalige Kennung. In Deutschland z. B. DM2LAP – Buchstaben und Zahlen, die dich in jeder Sekunde auf dem Band identifizieren.
„Ich möchte mit jedem sprechen, der mich hört.“ Kein bestimmter Adressat – die offene Einladung an alle Mitlauscher.
Ein zustande gekommener Kontakt. Zwei Stationen tauschen Rufzeichen und Signalrapport aus – schon steht ein QSO im Log.
Kurz für „Habe verstanden, bestätige empfangen“. Die Rückmeldung, dass die Information beim Gegenüber angekommen ist.
Die schriftliche Bestätigung eines QSOs – meist eine liebevoll gestaltete Postkarte, die zwei Funkamateur*innen sich nach dem Kontakt zuschicken. Datum, Frequenz, Rapport – und oft ein Bild vom eigenen Standort. Sammelfreude in Papierform.
„Wer hat mich gerade gerufen? Bitte noch einmal!“ Auch als allgemeine Nachfrage nach dem Rufzeichen des Gegenübers üblich.
Von Menschen verursachte Störungen – andere Sender auf der gleichen Frequenz, LED-Netzteile, Powerline-Adapter, die Ladestation im Nachbarhaus.
Störungen aus der Natur – ein Gewitter irgendwo auf dem Planeten, atmosphärisches Rauschen, kosmisches Prasseln aus dem All.
Das Signal wird abwechselnd stärker und schwächer, weil sich die Ionosphäre bewegt. Klingt manchmal, als würde jemand am Lautstärkeregler drehen.
Der klassische, freundliche Abschluss unter Funkamateur*innen. Stammt aus einem alten Telegrafen-Code und hat sich weltweit gehalten. Ein „73!“ beendet fast jedes QSO.
Die besonderen Grüße unter YL („Young Ladies“) – dem traditionellen Ausdruck für weibliche Funkamateurinnen. Ein herzliches „44!“ gilt als Solidaritätszeichen.
„Continuous Wave“ – nur Töne, kurz und lang, Punkt und Strich. Unbequem für die Ohren, aber unschlagbar bei schwachen Signalen und ruhigen Bändern.
„Single Side Band“ – die klassische Sprachbetriebsart auf Kurzwelle. Sparsam, weitreichend, unterteilt in USB (oben) und LSB (unten).
Die klare, rauscharme Sprachbetriebsart im UKW-Bereich. Reichweite meist regional, dafür glasklarer Klang – das, was du auch aus dem Autoradio kennst.
Die älteste Sprachübertragung überhaupt. Klingt warm und ein bisschen nostalgisch. Heute vor allem noch zu Ehren der Radio-Historie im Einsatz.
Ein typischer Ablauf aus Sicht einer Aktivator*in, die im Park CQ ruft. Vom Aufbau bis zum eingetragenen Kontakt im Log.
Antenne im Park aufstellen, Funkgerät hochfahren, eine freie Frequenz suchen. Kurz auf der Frequenz zuhören: ist wirklich niemand da?
„Is this frequency in use? DM2LAP.“Frequenz, Betriebsart und Parkreferenz auf pota.app eintragen. Ab jetzt tauchst du weltweit auf den Bildschirmen der Jäger*innen auf.
DM2LAP · 14.285 MHz SSB · DE-0042Der Anruf ins Leere: Rufzeichen sagen, Park nennen, wiederholen. Ein bis drei Anrufe, dann kurz lauschen, ob jemand antwortet.
„CQ POTA, CQ POTA – this is Delta Mike Two Lima Alpha Papa, calling CQ POTA and standing by.“Eine Station antwortet mit ihrem Rufzeichen. Du bestätigst, tauschst einen Signalrapport („59“), sagst deinen Namen und den Park. Die Gegenstation macht dasselbe.
„K1ABC, you are 5 by 9 in park DE-0042. My name is Marius. Back to you.“Kurz verabschieden, Kontakt ins (Papier- oder digitale) Log eintragen. Datum, Uhrzeit, Rufzeichen, Rapport – fertig ist das QSO.
„Thanks for the QSO, 73 – DM2LAP, QRZ?“Kurze Antwort: fürs Senden ja – und das ist ein Feature, kein Bug. Hinter der Lizenz steckt eine überschaubare Prüfung, die jede*r schaffen kann. Für den Anfang reicht sogar die kleinste Klasse.
Newcomer, seit 2024
Deutschlands neue Einsteigerklasse. Ein Kursabend die Woche, eine kurze Prüfung, dein erstes Rufzeichen. Der schnellste Weg auf das Band.
Einsteiger, bewährt seit 2005
Der solide Mittelweg. Etwas mehr Lernaufwand als N, dafür deutlich mehr Leistung und Bänder – reicht in der Regel schon für weltweite Verbindungen.
Amateurfunk in Voll
Wer tief einsteigen möchte, macht die Klasse A. Alle Bänder, mehr Leistung, weltweiter Standard. Der klassische Weg – lohnt sich, wenn das Thema dich nicht mehr loslässt.
Empfangen ist frei
Mit einem einfachen Kurzwellenradio, einem SDR-Stick oder einem WebSDR im Browser kannst du POTA-Aktivierungen aus aller Welt live mitverfolgen – ganz ohne einen Ton zu senden.
Für jede*n ist etwas dabei: Schüler*innen und Rentner*innen, Bastler*innen und Naturliebhaber*innen, Physik-Nerds, Reisende und Menschen, die einfach mal etwas Anderes suchen. Amateurfunk ist keine geschlossene Gesellschaft – er lebt davon, dass immer wieder neue Stimmen dazukommen.
Ein paar Momente aus echten Aktivierungen – bei Sonne, Regen und Schnee.







Ein günstiger Kurzwellenempfänger oder ein Websdr-Empfänger im Browser reicht, um erste POTA-Aktivierungen live mitzuhören.
In Deutschland reicht die Klasse N für viele Bänder. Kurs, Prüfung, Rufzeichen – meist in wenigen Monaten geschafft.
Auf pota.app findest du jeden gelisteten Park mit Referenznummer, Karten und den nächsten geplanten Aktivierungen.
Antenne aufstellen, „CQ POTA“ rufen – und staunen, wer sich meldet.
Hi, ich bin Marius. Auf der Kurzwelle erreichbar unter dem Rufzeichen DM2LAP.
Angefangen hat alles im April 2025 – mit Kurs, ganz vielen Fragen und der Erkenntnis, dass Amateurfunk sehr viel mehr ist, als ich vorher dachte. Seit Juli 2025 habe ich die Klasse-A-Lizenz in der Tasche und darf auf allen Bändern senden.
POTA hat mich fast direkt gepackt. Die Mischung aus Rausgehen, Antennen basteln und mit wildfremden Menschen weltweit ins Gespräch kommen ist einfach schwer zu schlagen. Diese Seite ist mein Versuch, die Faszination weiterzugeben – ohne dass man vorher ein Physikstudium abgeschlossen haben muss.
Wenn dich Amateurfunk oder POTA neugierig gemacht hat, wenn du eine Frage zur Lizenz hast oder mich einfach mal auf ein QSO einladen willst – melde dich gerne.
Ich beiße nicht, versprochen.
E-Mail an dm2lap@darc.deOder du findest mich in der POTA-App unter meinem Rufzeichen – dort tauchen auch alle geplanten Aktivierungen auf.